Heute vor fünf Jahren ist meine liebste Omi nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Der Zeitpunkt hat mir besonders deshalb wehgetan, weil sie ihren ersten Urenkel so nicht mehr kennenlernen durfte.

Meine Mutter bat mich damals, mir einige Dinge aus ihrer Wohnung als Erinnerungsstücke mitzunehmen, bevor alles andere an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden sollte. Schweren Herzens suchte ich mir also ein paar Gegenstände aus, die meine Omi besonders liebte, die ich schon in meiner Kindheit schön fand oder die schlicht etwas Besonderes für mich waren. Dazu gehörte auch ihr feiner Blazer, den sie zwar selten und nur zu ausgewählten Anlässen, dann aber sehr gern trug. Das zarte Hahnentrittmuster hat etwas zeitlos Schönes, das mir schon immer gut gefiel. Leider war er jedoch weit entfernt von meiner Kleidergröße und auch der Schnitt entsprach nun nicht gerade der aktuellen Mode geschweige denn meinem Geschmack.

Also stand schon ziemlich schnell fest, dass daraus etwas Neues entstehen sollte. Nun hieß es erst einmal auftrennen, eine fitzelige stundenlange Arbeit, denn er war gut vernäht und hatte selbstverständlich auch ein Innenfutter.

Als ich mich mit dem Nahttrenner durchgekämpft hatte, lag schließlich ein ganzer Haufen einzelner Schnittteile vor mir und ich hatte noch keine Ahnung, was ich daraus nähen könnte.

Aber es war allein schon ein Ereignis, die Konstruktion dieses Teils nachvollziehen zu können und so schwarz auf weiß vor mir zu sehen, aus wie vielen Einzelteilen so ein Blazer eigentlich besteht. Dann habe ich alles gebügelt, meine Schnittmuster(-zeitschriften) gewälzt und überlegt, was er nun werden soll. In einem Heft von Burda wurde ich schließlich fündig: Ein kurzer Rock, schlicht, aber durch das überlappende Vorderteil dennoch raffiniert – der schien mir sehr passend für den schönen Stoff. Zum Glück haben die Schnittteile nach einem bisschen Jonglieren und Verschieben auch auf die Stoffstücke gepasst. Und hier ist er nun also, mein Rock, der mich bei jedem Tragen an meine Omi erinnert:

Das Muster lässt sich leider nicht so optimal auf einem Foto festhalten. Es ergeben sich teilweise sogar kleine Farbeffekte durch die Kleinteiligkeit.

Er ist ein spezielles Kleidungsstück geworden, eines, das ich nicht im Alltag tragen würde, aber sehr wohl zu besonderen Anlässen, ganz wie meine Omi ihren geliebten Blazer trug. Am besten kann ich ihn mir zu schmalen Shirts wie dem auf den Fotos oder zu luftigen Blusen vorstellen.

Und auch zu einem schlichten Oversize-Pullover lässt er sich ganz gut kombinieren.

Da ich für den Rock aber nur die größeren Blazerteile verwenden konnte, habe ich noch immer einige Stoffstücke übrig, die auf ihre Verwendung warten. Wahrscheinlich kommt also demnächst noch ein kleines Täschchen oder ähnliches dazu.

  • Schnitt: Minirock 4 B, Burda Easy Herbst/Winter 2012
  • Fotos vom Rock: Joerg Pitschmann